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Widerstand liegt in den Genen

Die Tigermücke verbreitet viele Erreger.
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Von: Pamela Dörhöfer

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Die Tigermücke verbreitet viele Erreger. © Imago

Moskitos mit bestimmten Mutationen verkraften große Mengen an Insektiziden. Das hilft laut einer Studie, die von ihnen verbreiteten Krankheiten einzudämmen.

Für Menschen zählen Stechmücken zu den gefährlichsten Tieren überhaupt, weil sie viele Krankheiten übertragen können. Dazu gehören unter anderem Malaria, Dengue, Zika, Chikungunya und Gelbfieber. Bis heute lassen sich viele dieser Krankheiten nicht ursächlich behandeln, und nicht gegen jede gibt es eine wirksame Schutzimpfung, ganz abgesehen von der Schwierigkeit, damit alle Menschen zu erreichen. Eines der wichtigsten Mittel, eine Infektion zu verhindern, besteht deshalb darin, die Mücken selbst zu bekämpfen – meist durch den Einsatz von Insektiziden.

Ein Forschungsteam des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in Japan hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus mehreren südostasiatischen und verschiedenen Ländern nun Hinweise dafür gefunden, dass in Vietnam und Kambodscha viele Moskitos gegen Insektizide aus der Gruppe der sogenannten Pyrethroide resistent geworden sind. Dabei handelt es sich um synthetisch hergestellte neurotoxische Wirkstoffe, was bedeutet: SIE zielen auf das zentrale Nervensystem der Stechmücken ab, die dadurch schnell gelähmt werden und schließlich sterben sollen. Pyrethroide werden weltweit breit eingesetzt, unter anderem spielen sie eine wichtige Rolle bei der Malaria-Bekämpfung, sind aber auch ein häufig genutztes Mittel gegen Schadinsekten in der Landwirtschaft.

Für ihre im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlichte Studie verließen die Forschenden ihre Labore, um in Vietnam, Indonesien, Ghana und Taiwan Tigermücken der Art Aedes aegypti einzusammeln. Diese Insekten sind Überträgerinnen von Dengue-Fieber, Zika, Chikungunya und Gelbfieber. Von diesen Erkrankungen ist Dengue am weitesten verbreitet. Schätzungen angenommen erkranken jedes Jahr zwischen 100 und 500 Millionen Menschen daran, bisher vor allem in den tropischen und subtropischen Gebieten Asiens, Südamerikas und Afrikas. Dengue gilt als die häufigste, durch Mücken übertragene und von Viren verursachte Infektionskrankheit überhaupt.

Dengue auch in Europa

Das internationale Forschungsteam schreibt in seiner Studie, die Zahl der Fälle habe sich in den letzten 50 Jahren um das 30-Fache erhöht. Der Klimawandel könnte nach Ansicht von Fachleuten Dengue auch in bislang nicht betroffene Gebiete bringen. So hat sich die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa angesiedelt und dehnt ihren Lebensraum weiter aus. In Spanien, Kroatien, Madeira und Frankreich kam es bereits vereinzelt zu Dengue-Infektionen. Diese führt zu Fieber mit starken Kopf- und Gliederschmerzen, wobei sich die meisten Erkrankten nach einigen Tagen erholen. Dengue kann aber auch zu schwer bis hin zum Tod führen.

Für ihre Untersuchung besprühten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jede ihrer Proben mit Permethrin, Pyrethroid, das in den für die Studie ausgewählte herkömmliche verwendet WIRD, um Moskito Eines zu bekämpfen. Sie stellen fest, dass nur 20 Prozent der in Vietnam gesammelten Mücken starben, in den Proben aus anderen Ländern gingen die Tiere dagegen wie erwartet zurück.

In einem nächsten Schritt analysierten die Forschenden das Genom jener Moskitos, die den Aufenthalt im Insektizid überlebt hatten. Das Ergebnis: Sie fanden Eine Mutation in Einem Gen mit Namen L982W, das bereits länger im Verdacht steht, mit Resistenzen bei Mücken zu tun zu haben. Das Team sammelte dann weitere Proben, dieses Mal aus Singapur und Kambodscha, und untersuchte auch das Erbgut dieser Moskitos, wobei man sich gezielt auf dieses Eine spezielle Gen konzentrierte. Die Forschenden stießen dabei auf zehn Stämme mit Mutationen, die denen der resistenten Mücken aus Vietnam ähnelten. Fast alle diese Proben stammen aus Kambodscha. Sie stellten außerdem fest, dass bestimmte Kombinationen von Mutationen die Resistenz stark steigert: Mücken mit solchem ​​Erbgut konnten demnach eine 500- bis 1000-fach höhere Menge Insektizid als andere Artgenossinnen verkraften, ohne zu sterben.

Die Wissenschaftler:innen schreiben, dass bis zu 78 Prozent der Proben, die sie in Vietnam und Kambodscha sammeln, unempfindlich gegenüber Pyrethroiden waren. Sie schlagen vor, dass auch in anderen Ländern damit begonnen werden solle, Mücken auf Resistenzen gegen Pyrethroide zu testen, um das wahre Ausmaß der Probleme zu bestimmen.

Link zur Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abq7345

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