NFL - In der Heimat entzaubert: Schickt "Mr. Irrelevant" Tom Brady in Rente? - Starstube

NFL – In der Heimat entzaubert: Schickt „Mr. Irrelevant“ Tom Brady in Rente?

NFL - In der Heimat entzaubert: Schickt "Mr. Irrelevant" Tom Brady in Rente?

Von Tobias Wiltschek

München/San Francisco – Da stand er nun vor all den Kameras und Mikrofonen und musste erklären, was eigentlich unerklärlich ist.

Mit 35:7 hatten die San Francisco 49ers gerade eben die Tampa Bay Buccaneers geschickt nach Florida zurück.

Quarterback Brock Purdy, noch nicht mal 23 Jahre alt, hatte in seinem allerersten Spiel als Starter den Superstar schlechthin in seiner Sportart geschlagen. Tom Brady entzaubert. Man kann schon sagen: gedemütigt.

49ers-Quarterback Purdy glänzt weiterhin

Und anschließend äußerte sich nicht der „GOAT“ im Sieger-Interview, sondern das komplette Gegenteil von ihm. Zumindest wenn man die Bezeichnung verwendet, die Purdy nach wie vor auf Schritt und Tritt verfolgt: „Mr. Irrelevant“. Der, den eigentlich niemand wollte und der dennoch irgendwo unterkam, weil eben immer einer der Letzte ist beim Entwurf.

„Ich freue mich einfach darüber, dass wir gewonnen haben, und das in einer so geringfügigen Phase der Saison“, sagte Purdy, der im vorangegangenen Spiel gegen die Miami Dolphins schon überzeugte, als er während der Party für den verletzten Jimmy Garoppolo einspringen musste.

Wie stark dieses Debüt war, zeigt allein die Tatsache, dass 49ers-Legende Joe Montana seinem Ex-Team mit Purdy sogar den Super-Bowl-Triumph zutraut. Wenn, so der Nachsatz des heute 66-Jährigen, der Rookie weiter so famos aufspielt.

Nach dem Sieg gegen die Bucs bleibt festzuhalten: Ja, er macht einfach genauso weiter. Zwei Touchdowns, keine Interception, 16 von 21 Pässen für 185 Yards erreichten ihren Zielspieler.

35:0 führt die 49ers im dritten Viertel bereits. Doch angesichts dessen Widersachers auf der anderen Seite wollte Purdy nicht zu früh feiern.

Purdy hat großen Respekt vor Brady

„Ich wusste, dass auf der anderen Seite jemand steht, der in seiner Karriere schon so viele verrückte und erfolgreiche Aufholjagden gestartet hat. Das sollte mir in meinem ersten Spiel als Starter nicht passieren“, sagte er – und meinte Brady.

Ihn habe er so oft spielen und den Super Bowl gewinnen sehen. „Und jetzt neben ihm zu stehen und High Five zu geben, war schon sehr cool“, sagte der Rookie über seinen Gegenspieler, der im Februar 2002 zum ersten Mal den Super Bowl gewann. Da war Purdy gerade zwei Jahre alt.

Jetzt, knapp 21 Jahre später, tritt der Neuling dem Größten der Geschichte in den Hintern. Das ist keine despektierliche Beschreibung des Geschehens. Es ist exakt das, was Brady nach dem Spiel gesagt hat: „Sie haben uns in den Hintern getreten.“

Es mag nur eine dieser Äußerungen nach einem klar verlorenen Spiel gewesen sein, die Brady da den Reportern in ihren Aufnahmegeräten diktiert hat.

Sie hat aber auch das Zeug, über ihre eigentlich beabsichtigte Bedeutung hinaus interpretiert zu werden. Da ist ein Neuer, der den Alten rauskickt. Vielleicht aus den Playoffs? Vielleicht aber auch aus der NFL? Endgültig?

Brady-Momente werden seltener

Ja, es gibt sie noch, diese speziellen Brady-Momente, vor denen auch Purdy gewarnt hat. Vor einer Woche hatte er die Bucs gegen die New Orleans Saints mit zwei Touchdowns in den letzten drei Minuten zum nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg geführt.

Insgesamt aber muss man festhalten, dass der mittlerweile 45-Jährige nicht mehr der Brady ist, der die Buccaneers vor knapp zwei Jahren zum Super-Bowl-Sieg geführt hat.

In der Saison 2020 waren es noch 40 Touchdowns, im Jahr darauf sogar 43. Jetzt steht er bei 17 – und es sind nur noch vier Spiele bis zum Ende der regulären Saison. Sein Quarterback-Rating (nicht Passer-Rating) steht derzeit bei 51,1. So niedrig wie noch nie.

Ob es für Brady wieder für die Playoffs reicht, ist unsicherer denn je. Noch wären die Bucs trotz einer negativen Bilanz von 6-7 als Erster der NFC South dabei. Doch der jüngste Trend spricht gegen sie. Zwei der letzten drei Spiele gingen verloren.

Bei den 49ern setzte es mit dem 7:35 die mit der höchsten Saisonniederlage. Ausgerechnet in seiner Heimatstadt, wo immer noch viele Verwandte und Bekannte wohnen, musste sich Brady so demütigen lassen.

Bradys Zukunft bleibt offen

„Ich mag es hier. Meine Familie war hier, auch einige Freunde aus der Nachbarschaft“, sagte Brady nach dem Spiel.

Vor dem Spiel hatte er noch einmal ausführlich erzählt, wie viel es ihm bedeutet, in dieser Gegend aufgewachsen und ein Fan der 49er gewesen zu sein.

Wenn es zuletzt um seine Optionen für die Zukunft ging, wurde neben den Bucs, den Tennessee Titans, den Las Vegas Raiders und einem endgültigen Rücktritt auch immer wieder eine Rückkehr nach San Francisco genannt.

Ob er dort aber wirklich noch gebraucht wird, ist seit Sonntag unsicherer denn je. Bei den 49ers haben sie jetzt einen anderen Hoffnungsträger.

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