Marktbericht: Zaghafter Wochenstart - Starstube

Marktbericht: Zaghafter Wochenstart

Marktbericht: Zaghafter Wochenstart


Marktbericht

Stand: 28.11.2022 18:28 Uhr

Mit deutlichen Verlusten sind die Aktienmärkte in der neuen Woche gestartet. Unter saisonalen Gesichtspunkten ist das heutige Minus aber nicht untypisch.

Bisher hat der DAX in diesem reichen Herbst die gängige Börsenregel voll bestätigt, die besagt, dass das Spätjahr ab Oktober die meisten Kursgewinne bringt. Tatsächlich hat sich der Deutsche Leitindex seither um mehr als 2400 Punkte oder knapp 23 Prozent erholt und erst am Freitag mit 14.572 Zählern den höchsten Stand seit fünf Monaten erreicht. Saisonal betrachtet ist aber gleichzeitig ein Innehalten nach einer solchen Herbst-Rallye zwischen Ende November und Anfang Dezember nicht untypisch.

Anlass für dieses Innere gab zu Wochenbeginn die aktuelle Lage in China. Die größte Protestwelle im Land seit Jahrhunderten wegen der strengen Null-Covid-Politik schürt die weitere Sorge vor wirtschaftlichen Einbußen in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Die Proteste zeigen, wie frustriert die Bevölkerung angesichts der Politik ihrer Führung sei und wie groß die Herausforderung für Präsident Xi Jinping, kommentierte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Der DAX-Stand den ganzen Tag über unter Druck und ging 1,1 Prozent tiefer aus dem Handel.

Wall Street ebenfalls im Minus

Auch an der Wall Street geht es zu Wochenbeginn vor dem Hintergrund der Entwicklungen in China bergab. Der US-Leitindex Dow Jones notiert eineinhalb Stunden nach Handelsbeginn 0,75 Prozent tiefer. Die Technologiewerte an der Nasdaq verlieren rund 0,8 Prozent.

US-Rezessionsindikator schlägt aus

Sorgen bereitet den Investoren auch der Blick auf den US-Anleihemarkt. So lag die Zinsdifferenz zwischen zehnjährigen und zweijährigen US-Anleihen mit minus 80 Basispunkten zuletzt so stark im negativen Bereich wie seit den frühen 1980er Jahren nicht mehr. Experten sprechen in einem solchen Fall von einer inversen Zinskurve. This gilt als zuverlässiger Frühindikator einer US-Rezession.

Update Wirtschaft vom 28.11.2022

Stefan Wolff, Personal, 28.11.2022 · 09:55 Uhr

Protestwelle in China lässt Ölpreise fallen

Die Ölpreise standen auch zu Wochenbeginn unter Druck und haben damit an die Verluste der vergangenen Woche angeknüpft. Zum Wochenauftakt hatten Sorgen wegen der Entwicklungen in China die Notierungen belastet, hieß es von Marktbeobachtern. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet am frühen Abend 83,40 Dollar. Das sind 0,5 Prozent weniger als am Freitag.

Euro zieht Richtung 1,05-Dollar-Marke an

Der Euro musste im Verlauf einen Großteil seiner Gewinne zum Dollar wieder abgeben. Zeitweise hatte die Gemeinschaftswährung mit schnellen 1,05 Dollar den höchsten Stand seit Ende Juni erreicht. Am frühen Abend werden für einen Euro 1.0380 Dollar gezahlt. Marktbeobachter führen die jüngste Erholung des Euro auf die sich allmählich wieder etwas schließende Zinsschere zwischen Europa und den USA zurück: Viele Marktteilnehmer gehen für die kommenden Monate von einem weniger aggressiven Kurs der US-Notenbank Federal Reserve im Vergleich zur Europäischen Zentralbank (EZB) aus.

Am Nachmittag konnten aber auch Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde den Euro nicht weiter stützen. Trotz der trüben wirtschaftlichen Aussichten stellte Lagarde weitere Zinserhöhungen in Aussicht. „Wir sind entschlossen, die Inflation auf unser mittelfristiges Ziel zu erreichen und die dafür notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, sagte die Französin vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Man werde die Zinsen auf ein Niveau anheben, welche sicherstelle, dass die Inflation auf das mittelfristige EZB-Ziel von zwei Prozent zurückkehre. Die nächste Zinssitzung der EZB findet am 15. Dezember statt. Noch ist unklar, ob die Notenbank den Leitzins um 0,50 oder erneut um 0,75 Prozentpunkte anheben wird. Lagarde sagte, dass man datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung entscheiden werde.

Fresenius-Aktie gefragt

Zu den wenigen DAX-Gewinnern gehörte die Fresenius-Aktie, die von einer Kaufempfehlung der UBS erworbene. Analyst Graham Doyle betonte, das jährliche Gewinnwachstum des Medizinkonzerns sei mit weniger Risiken verbunden als ein gleichwertiges Wachstum eines anderen Sektorunternehmens. Doyle monierte daher den 70-prozentigen Abschlag, mit dem die Aktie gehandelt wurde. Das Papier sei in jeder Hinsicht günstig.

Brenntag-Aktie im Ausverkauf

Mit Abstand größter Verlierer im DAX war die Brenntag-Aktie mit einem Kursminus von 9,65 Prozent. Die Papiere des Chemikalienhändlers litten unter Übernahmegesprächen des Managements mit dem US-Rivalen Univar Solutions. Analysten sehen Licht und Schatten. Ein Deal könnte freisetzen, die Frage des Kaufpreises sei aber noch offen.

Ein Zusammenschluss könnte ein Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 30 Milliarden US-Dollar schaffen. Univar-Aktien wurden auf der Handelsplattform Tradegate deutlich höher gehandelt.

Mögliche Lieferverzögerungen bei Airbus

Mit einem Kursminus von 5,7 Prozent war die Airbus-Aktie der zweitgrößte Verlierer im DAX. Insidern bereitet Airbus derzeit die Kunden auf Verzögerungen bei den geplanten Auslieferungen einiger Mittelstreckenflugzeuge vor. Hintergrund sind Unsicherheiten zur Lieferung von Triebwerken und anderen Teilen für die Maschinen, dazu ein möglicher Personalengpass. Airbus äußert sich nicht zu den Informationen.

VW stoppt die Produktion in einem chinesischen Werk

Volkswagen hat wegen der Corona-bedingten Einschränkungen in China die Bänder in einem Werk angehalten und produziert andernorts weniger. „Die Produktion im Werk Chengdu wurde im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Welle vorübergehend gestoppt“, teilte ein Sprecher heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur mit Reuters mit. Auch zwei Produktionslinien im Werk Changchun sind betroffen.

BMW erwartet 2023 stabiles Geschäft

BMW-Vorstandschef Oliver Zipse erwartet im kommenden Jahr ein stabiles Geschäft. In den verschiedenen Weltmärkten gibt es unterschiedliche Herausforderungen und Chancen. Sorge machten ihm die Lockdowns im größten Automarkt China, sagte Zipse. In Deutschland dürfe es diesen Winter genug Gas geben, aber die Autoindustrie und ihre Zulieferer brauchen eine sichere Energieversorgung zu zuverlässigen Preisen.

Adler-Group-Aktie springt hoch

Die Aktie der Adler-Gruppe konnte sich kräftig erholen. Der stark angeschlagene Immobilienkonzern hat sich mit einer Kerngruppe von Gläubigern über eine Anpassung der Bedingungen der von Adler ausgegebenen Anleihen geeinigt. Erstmals seit Ende August näherte sich der Kurs wieder der 3-Euro-Marke.

Barclays-Chef unterzieht sich Krebsbehandlung

Der Chef der Großbank Barclays, CS Venkatakrishnan, muss sich wegen einer Krebserkrankung behandeln lassen. Venkatakrishnan werde demnächst von zuhause arbeiten, teilt das Geldhaus mit. Die Behandlung solle zwölf bis 16 Wochen dauern. „Das Unternehmen wird in dieser Zeit normal operieren und ich werde weiterhin aktiv in dessen Führung engagiert bleiben“, erklärte der Bankchef. Es sei kein Interims-CEO ernannt worden, bestätigte das Institut.

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