Marktbericht: Leichte Gewinnmitnahmen im DAX - Starstube

Marktbericht: Leichte Gewinnmitnahmen im DAX

Marktbericht: Anleger wollen nichts passieren


Marktbericht

Stand: 15.11.2022 12:35 Uhr

Vor den Spannungen mit erwarteten US-Erzeugerpreisen, die Hinweise auf die zukünftige Inflationsentwicklung geben könnten, streichen die Investoren moderate Gewinne ein. Der DAX fällt trotz eines starken ZEW-Index‘ etwas zurück.

Der DAX büßt um die Mittagszeit rund 0,2 Prozent auf 14.285 Punkte ein. Gestern war der deutsche Leitindex 0,6 Prozent fester bei 14 313,30 Punkten aus dem Handel gegangen. Damit hat er sich seit dem Jahrestief von Ende September um rund 20 Prozent erholt.

Verschnaufpause als Normalfall

„Positiv ist, dass wir bisher nur wenige Gewinnmitnahmen sehen“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Dies zeigt, wie sehr sich die Stimmung verbessert hat. „Nach einem Kursanstieg von mehr als 20 Prozent ist eine Verschnaufpause oder gar eine Konsolidierung eher der Normalfall als die Ausnahme.“

Angetrieben wurde die jüngste Kursrally von der Hoffnung darauf, dass die US-Notenbank Fed das Tempo ihrer Zinserhöhung verzögert. Heute um 14:30 Uhr werden die US-Erzeugerpreise veröffentlicht. Sie gelten als Indikator für den künftigen Preisdruck. Marktteilnehmer Werden darauf achten, ob die Daten den jüngsten nachlassenden Inflationsdruck in den USA bestätigen.

Großhandelspreise steigen langsamer

Etwas grundsätzliche Unterstützung für den Aktienmarkt leisten die deutschen Großhandelspreise für den Oktober: Sie erhöhen sich um 17,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilt das Statistische Bundesamt mit. Das ist der kleinste Zuwachs seit Februar, als der russische Krieg gegen die Ukraine begann und viele Rohstoffe sowie Vorprodukte teurer wurden.

„Ist das jetzt auch die Trendwende für die Inflation? Da wäre ich noch vorsichtig“, sagte jedoch LBBW-Ökonomen Jens-Oliver Niklasch. Vor allem bei Energie und Lebensmitteln könnte der Preisdruck für die Verbraucherinnen und Verbraucher noch zunehmen. „Wir sehen das Inflationsmaximum daher erst kurz nach der Jahreswende.“

ZEW-Index steigt überraschend deutlich

Auch der ZEW-Index sendet positive Signale. Das Barometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg im November gegenüber dem Vormonat um 22,5 Punkte auf minus 36,7 Zähler. Die Bewertung der Konjunkturlage verbesserte sich ebenfalls überraschend deutlich um 7,7 Punkte auf minus 64,5 Zähler zu.

Trotzdem bleibt die konjunkturelle Lage gespannt: „Eine Trendwende bedeutet die leichte Stimmungsverbesserung noch nicht, denn die Unwägbarkeiten und der wirtschaftliche Gegenwind durch die hohe Inflation bleiben erstmal hoch“, kommentiert Christoph Swonke, Ökonom bei der DZ Bank.

Ölpreise geben nach

Auf dem Ölmarkt verbilligte sich sowohl die Nordseesorte Brent als auch die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI). Bereits zum Wochenauftakt waren die Ölpreise gefallen. Die Notierungen gingen zurück, nachdem das Ölkartell Opec seine Nachfrageprognosen für dieses und das kommende Jahr gesenkt hatte. Begründet wurde der Schritt mit Einer „erheblichen Unsicherheit bezüglich der Weltwirtschaft, begleitet von Bedenken vor einer weltweiten Rezession“.

Die aktuellen Kursverluste wurden mit schwächeren Konjunkturdaten aus China erklärt, einem der wichtigsten Ölimporteure. Die harten Maßnahmen der Führung in Peking im Kampf gegen das Coronavirus haben die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Oktober stärker als erwartet ausgebremst. Der Einzelhandelsumsatz geht überraschend zurück, und die Industrieproduktion verspricht nicht mehr so ​​stark zu wie zuletzt.

Buffett steigt in Chipbranche ein

Mit seinem Investmentfonds Berkshire Hathaway investierte Warren Buffett mehrere Milliarden Dollar am Aktienmarkt. Dies geht aus einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC hervor. Während er von Juli bis September im Gegenzug andere Beteiligungen hauptsächlich in der Finanzbranche reduzierte, ging er ein großes Engagement in der Techbranche ein: Berkshire nutzte den Kurssturz beim weltgrößten Chipauftragsfertiger TSMC und erwarb rund 60 Millionen amerikanische Hinterlegungsscheine an dem in Taiwan beheimateten Konzern. Angenommen, die Papiere wurden zum Durchschnittspreis gekauft, hätte die Beteiligung rund 5,1 Milliarden Dollar kostet.

Maersk-Chef sieht Containerschifffahrt am Wendepunkt

Die Containerschifffahrt stößt auf die Ansicht der dänischen Großreederei Maersk an Grenzen. Sowohl was die Größe der Schiffe als auch was die Frachtpreise angehe, sei ein Wendepunkt erreicht, sagte der Konzernchef Soren Skou. Mit 20.000, 22.000 und mehr Standardcontainern (TEU) sei eine Dimension erreicht, ab der sich die Frage der Wirtschaftlichkeit stelle, zumal der Welthandel nicht mehr so ​​stark wachse. „Die Schiffe werden nicht größer werden“, prognostizierte Skou. Maersk ist die weltweit zweitgrößte Containerreederei nach MSC aus der Schweiz.

Encavis verdient mehr

Der Solar- und Windpark-Betreiber von Encavis verfügt weiterhin über erweiterte Erzeugungskapazitäten und hohe Strompreise. In den ersten neun Monaten der Prognose im Jahresvergleich um rund 37 Prozent auf 354,8 Millionen Euro zu. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um rund 45 Prozent auf 166,9 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein bereinigter Gewinn von 86,9 Millionen Euro nach 57,8 Millionen Euro im Vorjahr.

Maue Aussichten für Nordex

Der Windanlagenhersteller Nordex wird für das laufende Jahr pessimistischer. Die operative Marge (Ebitda-Marge) werde am unteren Ende des Prognosekorridors bei rund minus vier Prozent erwartet. Grund seien die fortwährenden Unterbrechungen der Lieferketten, Folgekosten aus Projektverzögerungen sowie das inflationäre Preisumfeld. In den ersten neun Monaten 2022 sank der Umsatz um 2,1 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war mit minus 200 Millionen Euro klar negativ. Vor einem Jahr war noch ein operativer Gewinn von 101 Millionen Euro angefallen. Die operative Marge lag bei minus 5,2 Prozent.

Werbeflöte belastet ProSiebenSat.1

Schrumpfende Werbeeinnahmen belasten den Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 stark. Wie das Unternehmen mitteilte, sank der Umsatz im dritten Quartal um 13 Prozent auf 921 Millionen Euro, der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) fiel um 27 Prozent auf 118 Millionen Euro. Finanzvorstand Ralf Peter Gierig: „Das Marktumfeld hat sich im Jahresverlauf durch Inflation, Energiepreiskrise und Konsumzurückhaltung immer weiter eingetrübt.“

Datenschutz: Google zahlt Schadenersatz

Google zahlt schnell 392 Millionen Dollar Schadenersatz nach US-Ermittlungen zu irreführenden Datenschutzangaben. Generalstaatsanwälte von 40 Bundesstaaten kamen zu dem Schluss, dass Google weitere Ortungsdaten von Nutzerinnen und Nutzern erfasst, nachdem diese sich dagegen entschieden hatten. Die Generalstaatsanwälte kritisierten, Google habe den Nutzern zwar die Möglichkeit gegeben, die Speicherung ihrer Ortungsdaten abzulehnen. Sie seien jedoch nicht darauf hingewiesen worden, dass Google-Apps ebenfalls automatisch Positionsdaten erhoben.

FedEx wird US-Mitarbeiter temporär freistellen

Die Frachtsparte des US-Paketzustellers FedEx wird in einigen US-Märkten Mitarbeitende temporär freistellen. Grund seien die derzeitigen Geschäftsbedingungen. Der DHL-Rivale wolle die wirtschaftliche Entwicklung weiter beobachten und bei einer Verbesserung der Geschäfte die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiter zurückholen. Einigen Angestellten wolle man dauerhaft Arbeitsplätze in anderen Bereichen anbieten, in denen Personal benötigt werde. Das Unternehmen gilt wie sein heimischer Rivale UPS auch als Barometer der US-Wirtschaft, da es Waren aus den führenden Branchen befördert.

Credit Suisse verkauft Verbriefungs-Geschäft an Apollo

Die Credit Suisse verkauft ihm Zuge ihres tiefgreifenden Konzernumbaus einen großen Teil ihres Geschäfts mit Kreditverbriefungen (Securitized Products Group) und damit verbundener Finanzierungsgeschäfte an den US-Finanzinvestor Apollo Global Management. Nachdem die Bank die Transaktion Ende Oktober bereits in Aussicht gestellt hatte, meldete sie heute den Abschluss der endgültigen Transaktionsvereinbarung. Die Transaktion dürfte bis Mitte 2023 abgeschlossen werden. Credit Suisse wartet, dass Apollo den Großteil der Mitarbeiter übernehme.

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