Marktbericht: Inflationsdaten lassen Anleger kalt - Starstube

Marktbericht: Inflationsdaten lassen Anleger kalt

Marktbericht: Inflationsdaten lassen Anleger kalt


Marktbericht

Stand: 29.11.2022 18:29 Uhr

Trotz Spekulationen über eine etwas weniger strikte Corona-Politik in China haben sich die Märkte heute kaum bewegt. Selbst erfreuliche Inflationsdaten konnten dem DAX keinen Schub verleihen.

Nach einem schwachen Wochenstart aufgrund der jüngsten Unruhen in China sind die Investoren an den Aktienmärkten heute zurückhaltend geblieben. Gestern hatte die Protestwelle wegen der strengen Corona-Beschränkungen in der Volksrepublik Sorgen vor einem weiteren wirtschaftlichen Rückschlag und Produktionsunterbrechungen in multinational ausgerichteten Fabriken geschürt. Das hatte die Kurse erheblich belastet.

Senkung der Inflationsrate lässt DAX-Investoren kalt

Heute kursierten am Markt zwar Gerüchte, dass die chinesische Staatsführung ihre Null-Covid-Politik schneller lockern könnte. bewegte sich der DAX den gesamten Handelstag über nur auf Sparflamme und bröckelte im Schlusshandel dann etwas ab. Letztlich verlor der Deutsche Leitindex 0,19 Prozent auf 14.355 Punkte.

Auch der unerwartete Rückgang der Inflationsrate konnte hierzulande keine frischen Impulse liefern. Zwar stimme die Richtung der Preisentwicklung im November, denn der Preisanstieg habe sich verlangsamt, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager von QC Partners zu den Daten. „Für eine Entwarnung ist es aber trotzdem zu früh.“ Außerdem sei an den Börsen nach zuletzt ebenfalls rückläufigen US-Inflationsdaten „schon kräftig vorgefeiert“ worden.

Anleger warten auf die Eurozonen-Inflation

Die Teuerung in Deutschland schwächte sich im November etwas deutlicher als am Markt erwartet ab. Die Verbraucherpreise legen im Vergleich zum November 2021 um 10,0 Prozent zu, nachdem sie im Oktober auf 10,4 Prozent und damit den höchsten Stand seit 70 Jahren geklettert war. Diese Daten „werden Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) sicher nicht abrupt verändern“, konstatierte Altmann. Sofern aber der Inflationsdruck in der gesamten Eurozone nachgelassen habe, stiegen die Chancen auf ein langsameres Zinstempo deutlich.

Daher warten die Investoren nun auf die für morgen erwarteten Inflationsdaten der Eurozone, die Rückschlüsse auf die zukünftige Geldpolitik geben könnten. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte gestern gesagt, dass die Inflation in der Eurozone ihren Höhepunkt wohl noch nicht erreicht habe und damit alle Türen für Zinserhöhungen offen gehalten.

Derweil hat sich die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone im November überraschend deutlich aufgehellt. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,0 Punkte auf 93,7 Punkte, teilt die EU-Kommission mit. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Anstieg auf 93,2 Punkte erwartet. Der Indikator liegt aber immer noch deutlich unter dem kostengünstigen Durchschnitt. Zuvor war er achtmal in Folge gesunken.

Dow Jones auf Richtungssuche

Auch die US-Anleger zeigen sich heute angesichts der Spekulationen über Chinas Corona-Politik. Der Leitindex Dow Jones Industrial notiert zur Stunde mit 33.735 Zählern wenige Punkte unter dem Vortagesschluss. Auch der marktbreite S&P 500 sowie der technologielastige Nasdaq 100 liegen zuletzt im Minus.

„Die Proteste der letzten Tage aufgrund der Rekordzahlen bei den Covid-Fällen und der Verschärfung der Restriktionen hätten in beide Richtungen gehen können, was die Anleger extrem beunruhigt hat“, sagte Craig Erlam, Marktanalyst beim Handelshaus Oanda. Die Reaktion der chinesischen Regierung habe zwar Hoffnungen auf eine Lockerung ihrer starken Corona-Politik geweckt, aber „der Weg von Null-Covid zu Null-Beschränkungen wird lang und voller Schlaglöcher und Hürden sein.“

In den Blick rückt an der Wall Street so langsam die für morgen vorgesehene Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell. Möglicherweise könnten die Erwartungen an eine entspanntere Geldpolitik nicht in den Maßen erfüllt werden, wie es die optimistischsten Annahmen aktuell suggerierten, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Marktes.

Ölmarkt wieder mit Rückenwind

Die Ölpreise sind heute leicht gestiegen. Sowohl ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent als auch der Sorte WTI legen etwas zu. Damit ist die jüngste Talfahrt der Ölpreise wegen der Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in China nach Protesten der Bevölkerung gegen die harten Corona-Maßnahmen vorerst gestoppt.

Seit gestern Nachmittag tragen Spekulationen über die weitere Förderpolitik des Ölverbunds OPEC+ den Ölpreisen Auftrieb. Analysten gehen davon aus, dass die Ölstaaten wegen des jüngsten Preisrückgangs ernsthaft über eine Kürzung der Fördermenge nachdenken könnten.

Google und YouTube bauen Kampf gegen Fehlinformationen aus

Der Internetriese Google verstärkt sein Engagement gegen Fehlinformationen im Internet und stellt Faktencheck-Organisationen zusätzliche finanzielle Mittel zur Bekämpfung von Fake-News zur Verfügung. Zusammen mit dem Google-Videodienst YouTube wird man einen neuen globalen Fonds des International Fact-Checking Network (IFCN) am gemeinnützigen Poynter Institute mit umgerechnet 12,73 Millionen Euro fördern, angekündigte Google heute an. Der neue Fonds wird ein Netzwerk von 135 Faktencheck-Organisationen aus 65 Ländern in 80 Sprachen unterstützen.

Foxconn als Partner von Volkswagen im Gespräch

Der chinesische Auftragsfertiger Foxconn kommt zu einem Zeitungsbericht als Partner von Volkswagen in Frage. Die Wolfsburger seien mit Foxconn in Gesprächen über ein Werk der neuen US-Marke Scout, berichtete die „Automobilwoche“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Volkswagen erklärte: „Wir sind sehr zufrieden mit den Fortschritten, die das Scout-Team macht, und mit der Begeisterung, die es bereits bei den heutigen Fans und zukünftigen Kunden auslöst.“ Spekulationen über mögliche Partnerschaften kommentiere das Unternehmen nicht.

E-Autobauer Fisker erwägt Fabrik in Europa

Der US-Elektroautobauer Fisker erwägt den Bau einer Fabrik in Europa und will mit seinem geplanten Mittelklassemodell Pear die deutschen Hersteller angreifen. „Wir prüfen gerade, den Pear auch in Europa zu bauen“, sagte Gründer Henrik Fisker dem „Handelsblatt“. Das kann mit einem Partner geschehen oder auch allein. Die Entscheidung soll Mitte des kommenden Jahres fallen. Das Elektroauto Birne soll für unter 30.000 Euro zu haben sein. Deutsche Elektro-Mittelklassemodelle liegen meist darüber.

Airbus erwartet mehr Bestellungen von Großraumjets

Nach Aussagen von Airbus-Chef Guillaume Faury ist die Nachfrage nach Kurzstreckenmaschinen derzeit sehr stark. Nun sei auch eine Erholung bei Langstreckenflugzeugen zu erkennen. Die Personalknappheit weltweit begrenzt jedoch das Wachstum. Zugleich dürften die Engpässe in der Lieferkette der Branche noch länger zu schaffen machen. Mit einer Besserung sei frühestens in sechs Monaten zu rechnen, mit einem frühen Ende der Krisestens in einem Jahr, so Faury.

Easyjet zufrieden mit Buchungen

Der britische Billigflieger Easyjet verzeichnet nach einem starken Schlussquartal anhaltend hohe Nachfrage für das nächste Sommerhalbjahr. Die Buchungslage sei gut, die Ticketpreise ab Ostern lägen im Aufwärtstrend. Von April bis September wird Easyjet neun Prozent mehr Sitzplätze anbieten als im Vorjahreszeitraum. Die Zuversicht dürfte Sorgen von Anlegern dämpfen, dass die Reisenachfrage wegen Rezession und Inflation sinken könnte.

Daimler Truck mit eigenem Finanzierer auch in Deutschland

Die Finanzierungsgesellschaft des Lastwagen- und Busherstellers Daimler Truck startete auch in Deutschland ihr Geschäft. Die Daimler Truck Financial Services war vergangenes Jahr nach der Abspaltung vom ehemaligen Daimler-Konzern – heute Mercedes-Benz – zunächst in sieben Ländern an den Start gegangen. Mit dem Heimatmarkt Deutschland erhöhe sich die Zahl der Länder auf 15, teilt das Unternehmen mit.

HSBC verkauft Kanada-Geschäft an RBC

Die HSBC verkauft ihre Aktivitäten in Kanada an die Royal Bank of Canada (RBC). Kanadas siebtgrößte Bank legt den Briten für die Übernahme umgerechnet 10,1 Milliarden US-Dollar (knapp 9,7 Milliarden Euro) auf den Tisch, wie die HSBC heute mitteilte. Hinzu kommen noch rund eineinhalb Milliarden Dollar für Schulden und Vorzugsaktien. Mit dem Kauf stärkt die RBC ihre Aktivitäten im Geschäftskundenbereich sowie das Privatkundengeschäft an der Westküste des Landes.

Nestlé hebt Umsatz-Prognose an

Der Nahrungsmittelriese Nestlé hebt seine Wachstumsprognose erneut an. Für das laufende Jahr werde nun ein organisches Umsatzwachstum zwischen acht und 8,5 Prozent anvisiert. Bisher hatte der Hersteller von Nespresso, KitKat und Perrier ein organisches Umsatzwachstum von rund acht Prozent erwartet. Die Prognose für die operative Marge von rund 17 Prozent bestätigte das Unternehmen.

Sammelklage gegen Google

Eine Klage gegen Google wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens beim App Store „Google Play“ darf zu einer Sammelklage erweitert werden. Ein US-Richter sah die erforderlichen Voraussetzungen gestern als gegeben an. Die Kläger werfen Google vor, Nutzer des Smartphone-Betriebssystems Android unter anderem mit irreführenden Warnungen davon abzuhalten, Software aus anderen Quellen als dem Play Store herunterzuladen.

Moschus greift Apfel an

Twitter-Besitzer Elon Musk heizt den Konflikt mit dem iPhone-Konzern Apple weiter an. In einer Serie von Tweets stellte der Tech-Milliardär erst die Frage in den Raum, ob Apple die Redefreiheit in Amerika hasse – da das Unternehmen seine Werbung bei Twitter nach dem Verkauf der Plattform an ihn weitgehend eingestellt habe. Dann behauptete er, Apple habe ohne Angabe von Gründen geroht, die Twitter-App aus dem App Store zu entfernen.

Unterdessen geht Twitter nach der Übernahme durch Musk nicht mehr gegen Falschinformationen zum Coronavirus vor. Die Maßnahmen wurden bereits am Mittwoch vergangener Woche gestoppt, wie aus einer entsprechenden Mitteilung auf einer Twitter-Webseite hervorgeht.

Aroundtown bestätigte Prognose

Der Gewerbeimmobilien-Spezialist Aroundtown sieht sich nach neun Monaten auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Der operative Gewinn – gemessen an der in der Branche bestimmten Kenngröße Funds from Operations (FFO 1) – stieg in den ersten neun Monaten um drei Prozent auf 274,5 Millionen Euro. Im laufenden Jahr peilt Aroundtown weiter einen operativen Gewinn von 350 bis 375 Millionen Euro an. Die Nettomieteinnahmen bis Ende September zogen um schnell ein Fünftel auf knapp 917 Millionen Euro an.

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