Marktbericht: DAX und MDAX legen den Turbo ein - Starstube

Marktbericht: DAX und MDAX legen den Turbo ein

Marktbericht: DAX und MDAX legen den Turbo ein


Marktbericht

Stand: 06.01.2023 18:29 Uhr

Der Jahresstart am deutschen Aktienmarkt kann sich sehen lassen. DAX und MDAX legten zu und profitierten dabei erneut von positiven Signalen der Wall Street. Dort kamen neue Jobdaten gut an.

Thema des Tages waren heute die mit großer Spannung erwarteten neuen Daten vom US-Arbeitsmarkt, von denen sich die Anlegeraufschluss über den weiteren Zinskurs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhofften. Dabei zeigte sich, dass der Jobmarkt in den USA zwar angespannt bleibt, zumindest der Lohndruck aber etwas abzunehmen scheint. Stützend wirkt sich auch etwas schwächer als erwartet ausgefallene Inflationsdaten aus der Eurozone aus. Eine Weile braucht die Investoren, um die auf den ersten Blick nicht ganz einfach zu interpretierenden US-Daten zu verarbeiten, dann aber greifen sie entschlossen zu.

DAX und MDAX in Bestform

Der bisher so gut ins neue Jahr gestartete DAX, der am Morgen noch im Minus gelegen hatte, hatte bei Tagestief von 14.388 Punkten, Überraschung zum Sitzungsende hin noch kräftig zu. Er folgte damit einer zunächst ebenfalls noch etwas zögerlichen Wall Street und ging bei 14.610 Punkten um 1,20 Prozent höher aus dem Handel. Im Wochenvergleich ergibt sich damit ein bemerkenswerter Gewinn von 4,9 Prozent. Ein Jahresstart, der kaum Wünsche offen lässt.

Noch besser präsentierte sich der industrie- und exportlastige MDAX, der mit einem Wochenplus von 7,3 Prozent den Vogel abschoss. Erwartet heute unter der Führung von K+S (Kali und Salz) und Rheinmetall um 1,12 Prozent zu und schloss bei 26.970 Punkten. Der Rüstungslieferant und Autozulieferer Rheinmetall, der heute Geschäftszahlen präsentierte, gilt als ein potenzieller Nachfolger für den Industriegasespezialisten Linde plc., der den DAX verlassen wird.

Zuletzt hatte sich der deutsche Markt besser entwickelt als die Wall Street mit ihren hochbewerteten Technologietiteln, die besonders sensibel reagiert, wenn die Notenbanken im Kampf gegen die Inflation an der Zinsschraube drehen. Hierzulande hat sich dagegen ein vorsichtiger Konjunkturoptimismus breit gemacht, der stützend wirkt.

Wall Street nach Arbeitsmarktdaten im Aufwind

Ein zumindest in dieser Woche eher seltenes Bild bestimmt weiterhin das Handelsgeschehen in New York, denn alle großen Indizes haben ihre Gewinne inzwischen deutlich ausgebaut. Der Leitindex Dow klettert um 1,9 Prozent und auch die zuletzt gebeutelte, zinssensitive Technologiebörse Nasdaq steigt in der gleichen Größenordnung.

Die Daten vom Arbeitsmarkt werden damit insgesamt positiv aufgenommen, auch wenn sich ein unmittelbares Ende des aktuellen starken Zinszyklus der Fed nicht ableiten lässt.

Aber vor allem die besonders inflationstreibenden Stundenlöhne sind im Dezember weniger deutlich gestiegen als erwartet. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhen sich im Monatsvergleich um 0,3 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am frühen Nachmittag vor der Börseneröffnung in Washington mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt einen Anstieg um 0,4 Prozent erwartet.

Insgesamt sind im Dezember mehr Stellen geschaffen worden als erwartet. Im vorigen Monat kamen 223.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, nach 256.000 im November. Befragte Ökonomen hatten lediglich mit 200.000 neuen Arbeitsplätzen im Dezember gerechnet. Die Arbeitslosenquote fällt im Dezember auf 3,5 Prozent. Das ist die niedrigste Arbeitslosenquote seit dem Februar 2020, bevor die Corona-Krise einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgelöst hatte.

Expertenstimmen

„Der Arbeitsmarkt in den USA ist weiterhin robust und relativ eng. Klare Hinweise darauf, dass die Dynamik des Beschäftigungsaufbaus deutlicher nachlässt, gibt es bislang nicht. Die Zahlen fallen robust aus, da aber der Lohndruck nachzulassen scheint, dürften die Zinserwartungen kaum forciert werden.“ , kommentiert Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

„Aller Zinserhöhungen zum Trotz schlägt sich der US-Arbeitsmarkt wacker. Die Fed konnte mit ihren geldpolitischen Straffungen die Einstellungslaune der US-Unternehmen bisher nicht trüben. Auch im Dezember liegt ein robuster Jobaufbau vor. Die Fed wird deshalb mit Zinsanhebungen fortfahren“, so Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Tesla im Fokus erneut

Auf der Unternehmensseite waren abermals die Augen auf die gebeutelte Tesla-Aktie gerichtet, die sich mit einem weiteren Kursrutsch bis auf 101,81 Dollar der 100-Dollar-Marke näherte, ehe sie dann mit einem steigenden Gesamtmarkt wieder anzog und aktuell sogar leicht im Plus bei rund 110 Dollar steht. Unter der 100-Dollar-Marke notierten die Papiere letztmals im August 2020.

Anleger flüchten aus den Aktien, weil der Elektroautobauer offensichtlich immer höhere Preissenkungen in Kauf nehmen muss, um seine Fahrzeuge in China loszuwerden. Der Konzern hat sich dort zunehmend stärkerer heimischer Konkurrenz von Anbietern wie BYD, Xpeng oder Nio zu erwehren.

CureVac haussieren

Papiere des Impfstoffentwicklers CureVac haussieren an der Nasdaq nach einer positiven Impfstoffstudie auf mRNA-Basis gegen Grippe und Covid 19 um rund 22 Prozent. An der Tübinger Firma ist auch der Bund beteiligt. Die Studien sollen normalerweise werden. CureVac galt als großer Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid, wenn dann aber zurück, weil der Impfstoff nicht so gut wirkt wie die Präparate der Konkurrenten BioNTech und Moderna.

Gemischte Konjunktursignale aus Europa

Von Konjunkturseite kommen gemischte Signale für den Aktienmarkt. So ist die Inflationsrate in der Euro-Zone zum Jahresende aufgrund eines nachlassenden Preisschubs bei Energie unerwartet deutlich gesunken. Im Dezember kletterten die Verbraucherpreise innerhalb einer Jahresfrist um 9,2 Prozent nach 10,1 Prozent im November und 10,6 Prozent im Oktober.

Negative Nachrichten kommen dagegen von der deutschen Industrie: Diese hat im November 5,3 Prozent weniger neue Aufträge erhalten als im Oktober. „Damit hat sich die Talfahrt der Auftragseingänge eher noch verstärkt“, erklärt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Euro auf Berg- und Talfahrt

Der Kurs des Euro steht heute ganz im Zeichen neuer US-Konjunkturdaten und deren möglicher Auswirkungen auf die Zinspolitik der Fed. Der Euro fiel zwischenzeitlich unter 1,05 US-Dollar gefallen. Am Mittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1.0492 Dollar gehandelt und damit so tief wie seit etwa einem Monat nicht mehr. Am Morgen hatte er noch zeitweise 1.0537 Dollar gekostet.

Während die US-Jobdaten den Dollar verstärkten und den Euro schwächten, kehrte sich die Tendenz nach etwas schwächer als erwartet ausgefallenen Auftragsdaten der US-Industrie um. Aktuell werden wieder 1.0623 Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1.0500 (Donnerstag: 1.0601) Dollar fest.

Fundamentaler Gegenwind für die Gemeinschaftswährung kam heute von den schwächeren deutschen Auftragsdaten, Ökonomen wurden besonders vom Ausmaß des Rückschlags überrascht.

Ölpreise leicht im Plus

Die Ölpreise bewegen sich zum Wochenschluss wenig und legen im Moment leicht zu. An den ersten Handelstagen des neuen Jahres hatten die Ölpreise deutliche Rückgänge verzeichnet, aktuell scheint sich das Geschehen etwas zu beruhigen. En Fass der Nordseesorte Brent kostet 79,63 Dollar und damit 0,3 Prozent mehr als gestern.

BaFin sieht erneut Mängel bei Deutschen-Börse-Töchtern

Die Finanzaufsicht hat Tochtergesellschaften der Deutschen Börse wegen Mängeln ins Visier genommen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stellte Schwachstellen bei der Clearstream Banking AG und der Clearstream Holding AG fest. Auch bei der Tochter Eurex Clearing AG wurden Mängel gemeldet.

Deutsche Post im DAX unter Druck

Aktien der Deutschen Post gehörten zunächst zu den größten Verlieren im DAX, erholten sich im Verlauf aber. Am Ende schlossen sie nahezu unverändert und blieben damit hinter dem Gesamtmarkt zurück. Bei dem DAX-Konzern haben die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ver-di für rund 160.000 Post-Beschäftigte begonnen. Ver.di fordert 15 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Cosco-Einstieg beim Hamburger Hafenterminal rückt näher

Der umstrittene Einstieg der chinesischen Staatsreederei Cosco bei dem Container-Terminal Tollerort im Hamburger Hafen steht kurz vor dem Abschluss. In Gesprächen zwischen dem Hamburger Hafenlogistik-Konzern HHLA, dem Bundeswirtschaftsministerium und der Cosco-Tochter CSPL habe man sich auf konkrete Voraussetzungen für die Beteiligung geeinigt, teilte HHLA mit. Letzte Details müssten noch geklärt werden, doch die Transaktion soll „zeitnah“ finalisiert werden.

Mercedes-Benz treibt eigenes E-Ladenetz voran

Mercedes-Benz hat gestern Abend ein eigenes Netz mit weltweit 10.000 Ladepunkten bis Ende des Jahrzehnts angekündigt. Einen einstelligen Milliardenbetrag wollen die Stuttgarter investieren. „Wir wollen nicht zusehen und abwarten, bis es gebaut ist. Daher errichten wir ein globales Schnellladenetzwerk“, sagte selbst Mercedes-Chef Ola Källenius.

WhatsApp wird trotzen Online-Blockaden

WhatsApp wird für Internet-Nutzer in Ländern wie Iran trotz Sperren verfügbar bleiben. Dafür führt der zum Facebook-Konzern gehörende Chatdienst die Unterstützung von Proxy-Servern ein, mit deren Hilfe man solche regionalen Blockaden umgehen kann. Die Option soll mit der neuesten App-Version weltweit verfügbar sein.

Samsung mit zweitem Ergebniseinbruch in Folge

Eine schwächelnde Nachfrage beschleunigt den Ergebnisrückgang bei Samsung Electronics. Das operative Ergebnis sei im vierten Quartal vorläufig berechneten berechnet um 69 Prozent auf 4,3 Milliarden Won (3,2 Milliarden Euro) eingebrochen, teilte der weltgrößte Hersteller von Smartphones und Speicherchips mit. Das ist der niedrigste Wert seit acht Jahren.

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