Lange lebe Asi-Erich! - Starstube

Lange lebe Asi-Erich!

Im Rahmen unserer Reportage über Fan-Originale besuchten wir im Jahr 2015 einen der bekanntesten Schalker: Asi-Erich. Hier lest ihr die Langfassung seiner Portraits. Die der anderen Fans findet ihr in 11FREUNDE 173. Erich ist nach längerem Krankenhausaufenthalt am Morgen des 12. Dezember 2022 im Alter von 68 Jahren verstorben.

Wo ist der Fußball-Gott am Weihnachtsmorgen? Die Pflegerin weiß es nicht, ein Betreuer kommt hinzu. Auf seinem Zimmer ist er jedenfalls nicht zu finden. Ist er etwa ausgebüxt? Die Wege des Herrn sind erst einmal unergründlich. Die beiden überlegen kurz, dann haben sie doch eine Idee, wo er sein könnte, ja sein muss. Sie laufen die Flure im Pflegeheim in Gelsenkirchen entlang, über die roten Fliesen, vorbei an den weißen Wänden mit den gelben Tafeln, vorbei an einer Gruppe von Bewohnern in Rollstühlen. Frohes Fest. Glückauf. Sie kommen zum Raucherzimmer. Hier sitzt er auf einer alten Couch und winkt fröhlich. Dunkle Haare fallen über die Ohren, dunkle Gestalt, große Augen, knöcherne Hände, neben sich einen Rollator mit Schalke-Aufkleber. Gestatten, Asi-Erich, Fußballgott.

So nennen die Schalker Fans ihn ganz ohne bösen Unterton. In einer Gegend, wo sich die Leute mit Na, du alte Schabracke“ freundlich grüßen, can auch Beinamen nicht derb genug sein. Erich ist fast jedem Schalker schon einmal begegnet, und fast keiner davon nüchtern. Jahrzehntelang voll dabei, heim oder auswärts, in ganz Europa unterwegs, ohne einen Cent in der Tasche. Längst ist er zur Kultfigur geworden. Manche Fans erinnern sich bei Auswärtsfahrten der alten Zeit nicht mehr an das Ergebnis des Spiels, wohl aber an das Erlebnis mit Erich.

Der König des Drehkreuzlimbo

Einmal wurde er auf der Fahrt zum Europapokalspiel nach London aus dem Bus geschmissen, irgendwo in Belgien. Als der Bus dann in der englischen Hauptstadt eintraf, war Erich schon da. Ein anderes Mal stellte er sich nach dem Derby volltrunken mitten zwischen sterben Autos auf einem Parkplatz und gab den Verkehrspolizisten. Er löste damit das Abreisechaos in wenigen Minuten auf. Wiederum ein anderes Mal blickte er nachts im Fan-Bus auf die rot leuchtenden Zahlen der Uhr: 1:00. Erich begann zu kommentieren, als wäre sie eine Anzeigetafel im Stadion. Er hörte erst auf, als Schalke den 1:59-Auswärtssieg eingefahren hatte. Ob München, Barcelona, ​​Porto – er war überall dabei. Niemand weiß, wie er hin und zurück kam, nicht einmal er selbst.

Was Houdini für die Zauberei, ist Erich für den Einlass ins Stadion. Keiner tanzte den Drehkreuzlimbo so gut wie er“, hieß es in einer Ehrung für Erich auf dem Portal Westlinie“. Meistens, wenn nicht sogar immer, verbringen andere Fans die Tour und die Karten. Die Solidarität hat Tradition.

Im alten Parkstadion lebt ein Fan mit einem Pappaufsteller aus dem Kino herum, der Tommy Lee Jones und Will Smith aus dem Film Men in Black“ in Überlebensgröße abbildete. Auf einen Kopf hatten die Fans das Konterfei von Asi-Erich“ geklebt. Der Aufsteller wanderte durch den Block wie ein Pokal. Bei einem Spiel in Bielefeld überließen die Ultras Erich das Megafon, er dirigierte vom Zaun aus der Menge. Als Erich im Februar 2010 wegen wiederholten Schwarzfahrens einen Monat ins Gefängnis musste, begannen die Anhänger eine Petition für seine Freilassung. Das Magazin Schalke Unser“ schrieb dazu: Erich kam vom Auswärtsspiel in Köln. Er war unterwegs in göttlicher Mission. Hatte Jesus etwa einen Fahrschein, als er zum Berg Zion reiste?“

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