Fasten verbessert in klinischer Studie Langzeitschäden der Niere bei... - Starstube

Fasten verbessert in klinischer Studie Langzeitschäden der Niere bei…

Fasten verbessert in klinischer Studie Langzeitschäden der Niere bei...

München/Leipzig Fastentherapien, wie etwa das Intervallfasten, knnen nicht nur Adipositas und Diabetes Typ 2 vorbeugen. Hungerperioden knnen auch bestehenden Langzeitschden des Diabetes entgegenwirken, etwa ber eine Verbesserung der Nierenfunktion bei diabetischer Nephropathie. Eine reduzierte Kalorienzufuhr von etwa 3.000 kJ pro Tag fr knapp 1 Woche pro Monat knnte dafr schon ausreichen.

Das zeigt eine klinische Studie des Universittsklinikums Heidelberg und des Helmholtz Diabetes Centers (HDC) Mnchen, ber die Stephan Herzig, Direktor des HDC auf der Vorabpressekonferenz des Deutschen Diabetes Kongress (DDG) berichtet hat. Die Ergebnisse sollen Anfang Juni verffentlicht werden. Als Preprint sind sie bereits in medRxiv erschienen (2021; DOI: 10.1101/2021.12.01.21266958).

40 Patienten mit Typ-2-Diabetes (HbA1c 7,80,2 %) und einem erhhtem Albumin-Kreatininverhltnis (ACR) hielten sich 6 Monate lang an 5 aufeinanderfolgenden Tagen an eine Fastendit (FMD) oder eine mediterrane Dit (Kontrollgruppe). Der nchste Ditzyklus erfolgte etwa 25 Tage spter.

Bei FMD handelte es sich um eine pflanzliche Dit: Tag 1 lieferte 4.600 kJ (11 % Protein, 46 % Fett und 43 % Kohlenhydrate), whrend die Tage 2 bis 5 3.000 kJ (9 % Eiwei, 44 % Fett und 47 % Kohlenhydrate) pro Tag lieferten.

Es handelt sich um eine Scheinfastendit. Das heit, dass zum Beispiel ein Anstieg von Ketonkrpern imitiert wird, den man sonst nur bei vollstndigem Nahrungsentzug oder bei ketogener Dit induziert, erklrte Herzig. Die mediterrane Dit hatte keine Vernderung der Kalorienzufuhr im Vergleich zur normalen Ernhrung der Teilnehmenden.

Kreatininkonzentration im Urin

normal: <30 mg/g Krea

Mikroalbuminurie: 30-300 mg/g

Makroalbuminurie: 300-3000 mg/g

Wurde die FMD von einer intensiven Diabetesbehandlung begleitet, verbesserte sich die Nierenfunktion bei Patienten mit Mikroalbuminurie: Die Kreatininkonzentration im Urin sank bei einer Mikroalbuminurie im Vergleich zur Kontrollgruppe um -30,3 mg/g (95-%-Konfidenzintervall -35,7 bis -24,9mg/g; P≤0,05).

Bei denjenigen mit Makroalbuminurie stiegen die Werte und die Differenz der ACR-Vernderung zwischen der FMD- und der Kontrollgruppe nach 6 Monaten betrug 110,3 mg/g bei allen Patienten. Beide Werte waren jedoch nicht signifikant.

Eine deutliche Verbesserung zeigte sich hingegen beim diagnostischen HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment). Er dient der Abschtzung der endogenen Insulinresistenz. Nach 6 Monaten vernderte sich der HOMA-IR-Wert um -3,8 (95-%-KI -5,6, -2,0; P≤0,05) und der suPAR-Wert (Seneszenz) um -156,6pg/ml (95-%-KI -172,9, -140,4pg/ml; P≤0,05).

Bei den Markern der Dicarbonylentgiftung oder der DNA-Schdigung/Reparatur konnte keine Vernderung beobachtet werden. Damit erklren sich die Forschenden den Rckfall der Albuminurie bei der Nachuntersuchung 3 Monate spter.

Whrend Fastenperioden muss der Krper seinen Stoffwechsel umstellen, um Schaden zu vermeiden. Hungerhormone wie Glukagon oder Kortisol werden aktiviert und sorgen dafr, dass der Krper von Zucker- auf Fettverbrennung umstellt. Dieser Fettabbau begnstigt den Aufbau bestimmter Energietrger: Die Leber bildet zudem Ketonkrper, die das Gehirn als Energielieferant nutzt. Bei sehr langem Hungern kommt es auch zum Eiweiabbau, um die Zuckerproduktion in der Leber anzukurbeln.

Am HDC haben Forschende um Herzig zudem Mausexperimente durchgefhrt, um den Mechanismus zu verstehen (Cell Metabolism, 2022; DOI: 10.1016/j.cmet.2022.01.004): Wir haben herausgefunden, dass auch das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt, damit Fasten unserem Krper hilft, erklrte Herzig.

Da die Leber ein zentraler Regulator des Stoffwechsels sei, konzentrierte sich die Forschung auf dieses Organ. Es zeigte sich, dass der Rezeptor fr Kortisol als einem wichtigen Hungerhormon nicht nur wie lange bekannt eine kritische Rolle bei der Kontrolle der Ketonkrperproduktion in Leberzellen spielt, sondern gleichzeitig auch in Makrophagen notwendig ist, um eine volle Hungerantwort der Leber zu generieren.

Hungerperioden aktivieren den Kortisolrezeptor in Makrophagen und sorgen fr die Freisetzung bestimmter Botenstoffe, die dann in den benachbarten Leberzellen die fr die Ketonkrperproduktion notwendigen Prozesse aktivieren.

Immunzellen sind also in der Lage, die Wirkung des Fastens auf unseren Stoffwechsel direkt zu beeinflussen. Stephan Herzig, Direktor des HDC Mnchen

Lange ist bekannt, dass Immunreaktionen als pathogene Mechanismen bei Diabetes und bergewicht wirken. Die Studie konnte jetzt ein erstes Beispiel liefern, wie Immunreaktionen in einem gesunden Zustand eine gesunde (physiologische) Hungerantwort auszulsen.

Daraus schlussfolgerte Herzig: Immunzellen sind in der Lage, die Wirkung des Fastens auf unseren Stoffwechsel direkt zu beeinflussen.

Eine Reihe von prklinischen und klinischen Studien konnte in den vergangenen Jahren zeigen, dass kontrollierte Hungerperioden positive Effekte auf Stoffwechselstrungen im Zusammenhang mit Diabetes oder Adipositas beim Menschen ausben (Cell Metabolism, 2012; DOI: 10.1016/j.cmet.2012.04.019; Cell Metabolism, 2019; DOI: 10.1016/j.cmet.2019.07.016; Cell Metabolism, 2020; DOI: 10.1016/j.cmet.2019.11.004).

Molekulare Hungerschalter als Ansatz fr Therapien

Zudem sind mittlerweile eine Reihe von molekularen Schaltern bekannt, welche die Hungerantwort in einzelnen Organen kontrollieren, zum Beispiel den Fettstoffwechsel oder die Zuckerproduktion der Leber.

Manipulieren wir diese Schalter entsprechend, ist es mglich, bei Diabetes Typ 2 den Stoffwechsel zu verbessern, erklrte Herzig. Somit knne freiwilliges Fasten fr viele Menschen je nach individueller Verfassung gesundheitsfrdernd sein.

Dennoch fhre es nicht zwangslufig immer zu einem Gewichtsabbau, betont der DDG-Experte: In jedem Fall zeigen sich aber positive Effekte wie eine Blutdrucksenkung und eine Verbesserung der Glukose- und Blutfettwerte.

Zusammen mit aktuellen Studien, welche die molekularen Unterschiede zwischen verschiedenen Fastenprotokollen untersuchen, werden diese Befunde jetzt genutzt, um Therapien auf der Basis von Fasten zu entwickeln.

Ziel sei es, bestimmte Stoffwechselprozesse zu manipulieren, um damit patientenspezifische Eingriffsmglichkeiten bei Diabetes und bergewicht zu erreichen, so Herzig. Erste Anstze auf Basis von RNA-Therapien seien in der prklinischen Entwicklung (The EMBO Journal, 2015; DOI: 10.15252/embj.201490464). © gie/aerzteblatt.de

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