Der dickste Bundesligaspieler aller Zeiten - Starstube

Der dickste Bundesligaspieler aller Zeiten

Der dickste Bundesligaspieler aller Zeiten

Saison 1972/73: In Stuttgart kommt ein Österreicher langsam ins Rollen. Johann „Buffy“ Ettmayer begeistert die Bundesligafans durch seine große Schusskraft, seinen üppigen Körper und seine flinken Sprüche. Ein echtes Original! Die Bayern sorgen dagegen erstmals für Langeweile in der Liga.

„Ich bin der einzige Österreicher, der seinen Rucksack vorne trägt.“ Fast das ganze Fußballerleben des Spielers Johann Ettmayer, den alle nur „Buffy“ rufen, wurde von einem Thema beherrscht: seinem Gewicht. Kein Wunder, denn „Buffy“ heißt auf Tschechisch so viel wie Dickerchen. Ein Spitzname, den ihm sein ehemaliger Trainer Leopold Stasny verpasst hatte. Lange kämpfte Ettmayer gegen das Image des behäbigen Profis an, doch irgendwann hatte er genug und ging verbal in die Offensive: „Einen dicken Hintern werde ich immer haben, und mit dem Ruf, dass ich nicht laufen und kämpfen kann, muss ich halt leben. „

Mit seinen 85 Kilogramm bei einer Größe von nur 1,72 Meter wird Ettmayer wohl auf ewig zu den kräftigsten Bundesligaspielern aller Zeiten zählen. Doch für ihn war das nie ein Problem: „Ich habe keinen Revue-Körper, aber ich kann Fußball spielen. Ich kenne aber viele Spieler, die haben einen Revue-Körper und können’s nicht!“ Nach einer Verletzung, die ihn länger aus der Bahn warf, kam Buffy Ettmayer zur Saison 1972/73 beim VfB Stuttgart immer besser in Fahrt. Elf Tore in nur 25 Bundesligapartien sprachen eine eindeutige Sprache. Mit Trainer Hermann Eppenhoff gab es zwar immer wieder kleinere Reibereien, aber er setzte auf Ettmayer. Doch dann kam ein neuer Trainer zum VfB: Albert Sing.

Singkrieg bei der Weltmeisterschaft 1954 der Assistent von Bundestrainer Sepp Herberger. Eine seiner Aufgaben damals: Er wählte das Mannschaftsquartier am Thuner See aus, wo der berühmte „Geist von Spiez“ geboren wurde. Als Albert Sing nun zwanzig Jahre später zum VfB kam, verordnete er seinen Schützlingen im Trainingslager in Origlio im Frühjahr 1975 eine Sing-Therapie.

Allabendlich wurden in der Schweiz Lieder geschmettert, bis sich die Balken bogen. Songs wie „Horch, was kommt von draußen rein“ mussten die Profis unter Sings Kommando gemeinsam intonieren. Mit einem Dia-Projektor wurden deutsches Liedgut und alte Fahrtenlieder an die Wand geworfen. Witzbolde sahen in den schrägen Tönen auch mögliche eine Form der Gegnerbekämpfung: Singend sollten sie in die Flucht geschlagen werden.

Der „Jumbo-Jet von Stuttgart“

Und noch eine weitere Überraschung hatte der neue VfB-Trainer in seinem Gepäck. Für die Stuttgarter Spieler liegen 20 Taschenmesser im Kofferraum bereit. Ettmayer: „Wir mussten Stöcke anspitzen und spachteln, das heißt, die Stöckchen so fest wie möglich in den Boden werfen. Nach zwei Tagen konnten wir prima spachteln, hatten aber keinen Ball gesehen!“ Das war das erste Mal, dass Sing mit seinem österreichischen Starspieler aneinanderstieß. Ab da ging es Schlag auf Schlag. Albert Sing: „Ich werde den Ettmayer jeden Tag herausfordern, ja ihn sogar beleidigen, wenn es zum Nutzen des VfB Stuttgart ist. Privat ist das was anderes. Wenn ich zum Beispiel mit einem Spieler ausgehen würde, wäre das nur der Ettmayer.“ Antwort von Ettmayer: „Aber ich würde nicht mit ihm ausgehen!“

Damals Ettmayer: „Ich treffe keinen Ball mehr, kann aber sehr gut singen und habe schon einen Vorvertrag gesagt bei den Fischerchören.“ Zwischendurch vertrugen sich sterben beiden öffentlichkeitswirksam wieder, doch schnell krachte es erneut. So sagte Ettmayer nach der Party am 27. Spieltag bei Eintracht Braunschweig (6:0 für die Hausherren): „Das habe ich doch gleich gewusst! Schon vor dem Spiel habe ich zehn Mark verwettet, dass ich nicht die 90 Minuten durchspiele. Das ist doch alles Theater! In der Öffentlichkeit Bussi geben und hintenrum dann so etwas!“

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher „Chronist des Fußballwahnsinns“ und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und hält sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch („60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum“) gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Später setzte Sing seinen Schützling wieder ein. Und prompt schoss Ettmayer ein Tor. Vor den Augen des begeisterten Publikums rannte er augenblicklich zu seinem Trainer und fragte: „Zählt das Tor?“ Sing reagierte verwirrt: „Wieso denn nicht?“ Und Ettmayer lächelnd: „Weil ich es geschossen habe, der Dicke!“

Die schwäbischen Zeitungen schrieben damals von „Buffy, dem Jumbo-Jet von Stuttgart“. Sie meinten es nicht böse, aber Ettmayer hatte die Schnauze voll: „Spiele ich gut, dann hab ich abgenommen. Spiele ich schlecht, dann hab ich zugenommen.“ Doch bei den Diskussionen über sein Gewicht verlor er nie seinen Humor. Als Sing einmal zu ihm sagte: „Es gibt Bilder, da warst du dünner“, konterte Ettmayer launig: „Die sind wahrscheinlich mit einer Schmalfilmkamera gemacht!“

Verträge vor dem Hotel verbrannt

zeichnete sich in der Spielzeit 1972/73 zunächst eine Entwicklung ab, die in den nächsten fünfzig Jahren die Bundesliga prägen sollte. Zum zweiten Mal nach der Saison 1968/69 schafften die Bayern den Durchmarsch. Vom ersten bis zum letzten Spieltag waren sie Tabellenführer der Fußball-Bundesliga und beendeten die Runde mit elf Punkten Vorsprung vor dem 1. FC Köln. „Die Bundesliga wird langweilig“, schrieb die „Bild“-Zeitung.

Spannender war es da im Abstiegskampf. Den letzten Spieltag der Saison 1972/73 hat man in Hannover bis heute nicht vergessen – denn das Ding war damals eigentlich schon durch. Man hatte sich bei 96 mit dem Abstieg abgefunden. Die Blumensträuße für die Spieler standen im Raum des Platzwarts. Nur noch diese letzte Begegnung in Wuppertal anständig hinter sich bringen, war die Devise.

Hannovers Kapitän Hans Siemensmeyer kurz vor der Party: „Wir spielen mal drauf los, denn zu verlieren haben wir nichts mehr!“ Und dann passiert ein kleines Wunder. Eintracht Braunschweig vergeigte völlig unerwartet zu Hause das Spiel gegen die Düsseldorfer Fortuna mit 1:2, und Hannover gewann mit 4:0 in der Wuppertaler Radrennbahn. Plötzlich hieß der Absteiger nicht mehr Hannover, sondern Braunschweig. 96 feierte – denn unerwartete Ereignisse sind ja sowieso immer die schönsten. Und so „tankten“ die Hannoveraner an jeder Raststätte auf der Rückfahrt Sekt nach. Noch in der Nacht verbrannten sie schließlich vor dem Hotel ihres Präsidenten Ferdinand Bock die bereits fertig geschriebenen Verträge für die zweite Liga.

.
#Der #dickste #Bundesligaspieler #aller #Zeiten